Wenn der Chef zum Vermieter wird

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Wenn der Chef zum Vermieter wird

Werkswohnungen erleben angesichts von Fachkräftemangel und Wohnungsnot in den Ballungsräumen einen Aufschwung. Die Unternehmen hoffen, damit qualifizierte Mitarbeiter anzulocken. Doch Arbeitgeber und Beschäftigte müssen ein paar juristische Feinheiten beachten – und auch das Finanzamt redet ein Wörtchen mit.

Immer öfter bieten Firmen zum Job auch gleich vier Wände. Damit erlebt das Konzept der Werkswohnung seine Renaissance. Es entstand in der Hochphase der Industrialisierung. Damals waren es vor allem Industriekonzerne aus den Sektoren Bergbau, Chemie, Stahl, die ganze Siedlungen für die dringend benötigten Arbeitskräfte schufen. Später stampften auch die Staatsbetriebe Post und Bahn landesweit Mitarbeiterquartiere aus dem Boden.

 

Rückzug aus dem Wohnungsmarkt

Noch in den 1970er-Jahren gab es nach Schätzungen des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) 450.000 Werkswohnungen hierzulande. Nach und nach wurden diese allerdings verkauft, um die Bilanzen der Unternehmen um Immobilien zu entlasten und die Mittel zu reinvestieren. Dazu kam der Zeitgeist: Es gab eine allgemeine Privatisierungseuphorie. Nun wird die Rolle rückwärts vollzogen.

 

„War of Talents“ erzwingt Umdenken 

Denn in dem Maße, wie die Mieten vor allem in Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Berlin steigen, haben Unternehmen zunehmend Mühe, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Potenziellen Mitarbeitern bezahlbaren Wohnraum in Dienstnähe anbieten zu können, erweist sich als Vorteil im „War of Talents“. Bewusst bieten viele Firmen neuen Mitarbeitern auch möblierte Apartments an, um das Risiko in der Probezeit abzufedern.

 

Unterschiedliche Modelle am Markt

Für Werkswohnungen gibt es diverse Modelle. So kann der Investor Vertragspartner des Mieters und Ansprechpartner in allen Fragen sein, die das Mietverhältnis betreffen. Die Höhe der Miete gibt die Stadt vor, orientiert am örtlichen Mietspiegel. Wer letztlich einzieht, entscheidet das jeweilige Unternehmen. Es hat zudem ein Sonderkündigungsrecht, wenn ein Mitarbeiter den Konzern verlässt und ein anderer Mitarbeiter die Wohnung benötigt.

 

Vertrag vor Unterzeichnung prüfen

Mitarbeiter, die mit einer Werkswohnung liebäugeln, sollten deshalb vor Vertragsschluss genau prüfen, inwieweit der Mietvertrag an das Arbeitsverhältnis gekoppelt ist. Handelt es sich um eine Werksdienstwohnung, deren Überlassung im Arbeitsvertrag geregelt ist, oder um eine Werksmietwohnung, zu der ein separater Mietvertrag neben dem Arbeitsvertrag geschlossen wird? Bei letzterer ist zu klären, ob die Firma ein Sonderkündigungsrecht hat.

 

Steuerrechtliche Aspekte beachten

Experten weisen zudem darauf hin, dass Vorteile, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer in Form einer (verbilligten) Dienstwohnung gewährt, einen steuerpflichtigen Sachbezug darstellen. Auch wenn der Arbeitgeber als Vermieter seinen Mitarbeitern die Nebenkosten erlässt, stellt das einen lohnsteuerpflichtigen geldwerten Vorteil dar. Die Firmen haben mit den Dienstwohnungen immer auch zusätzlichen administrativen und finanziellen Aufwand.

 

Gesetzgeber plant Erleichterungen

Die Politik ermutigt Unternehmen dennoch dazu, mehr Mitarbeiterwohnungen zu bauen – und plant die steuerliche Entlastung von Arbeitnehmern, die Werkswohnungen nutzen. Der Sachbezugsansatz, der vom Arbeitgeber für den Arbeitnehmer zu eigenen Wohnzwecken überlassenen Wohnung, soll gekippt werden. Voraussetzung: Das vom Mitarbeiter gezahlte Entgelt beträgt mindestens zwei Drittel der ortsüblichen Miete und diese nicht mehr als 20 Euro pro Quadratmeter ohne Nebenkosten.

 

Mehr zum Thema und zu Erfahrungen von Syndizi mit Blick auf Rechtsfragen rund um Werkswohnungen lesen Sie in der Ausgabe 6/19 des neuen unternehmensjurist ab Seite 50.

Bildnachweise: © iStock / Ksene

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