Weltfrauentag: Das Mindset hat sich geändert

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Weltfrauentag: Das Mindset hat sich geändert

Autorin: Franziska Hellwig

Seit über 100 Jahren wird am 8. März der Internationale Frauentag gefeiert. Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist auch heute noch Thema zahlreicher Diskussionen – insbesondere im beruflichen Kontext. Christiane Dahlbender, Associate General Counsel Compliance EMEA & Global Sales, Mars Inc. und Leiterin der BUJ-Fachgruppe All4Women, im Interview.

Hintergrund

Weltfrauentag

Der Internationale Frauentag – auch Weltfrauentag genannt – wird jedes Jahr am 8. März gefeiert. Seit 1911 wird an diesem Tag weltweit auf Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht. Der Weltfrauentag entstand als Initiative sozialistischer Organisationen im Kampf um das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen. In einigen Ländern, wie Armenien und Russland, ist der 8. März ein offizieller Feiertag. In Deutschland ist er 2019 erstmals in Berlin, als einzigem Bundesland, gesetzlicher Feiertag.

Ist ein Feiertag wie der 8.3. – und dazu jetzt noch gesetzlich wie in Berlin – heutzutage noch nötig?

Den Weltfrauentag gibt es bereits sehr lange. Berlin hat mit der Entscheidung, den Tag zum Feiertag zu ernennen, gezeigt, wie wichtig das Thema auch heute noch ist. Ich weiß nicht, ob der 8. März unbedingt ein Feiertag sein muss, aber es gibt natürlich der Thematik eine Öffentlichkeit und eine Erinnerung an den Ursprung.

Die „Urmütter“ des Weltfrauentages sind damals Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Barrikaden gegangen für mehr Rechte, insbesondere das Frauenwahlrecht, und bessere Lebensbedingungen für Frauen. Ich glaube, wir haben uns seitdem ein ganzes Stück weiterentwickelt. Über das Wahlrecht müssen wir nicht mehr reden, dass Frauen den gleichen Anspruch auf Bildung haben und die Entscheidungsfreiheit, ob, wann und wie sie arbeiten möchten, steht heute nicht mehr zur Diskussion.

Aber es liegt noch ein Weg vor uns, da es immer noch Themen gibt, die einer gleichen Teilhabe von Frauen an der Arbeitswelt im Wege stehen: Frauen verdienen in Deutschland weniger als Männer, Frauen sind seltener in Führungspositionen vertreten und Frauen sind auch häufiger Opfer von Gewalt. Das sind Herausforderungen, über die am Frauentag gesprochen werden und natürlich an den anderen 364 Tagen im Jahr gearbeitet werden soll. Dabei geht es gar nicht um dogmatische oder ideologische Diskussionen. Der Austausch und das Miteinander von Männern und Frauen bei dieser Problematik sollten im Fokus stehen. Ob das jetzt ein Feiertag sein muss, weiß ich nicht. Aber ich glaube schon, dass diese Themen dadurch mehr im Gespräch und in der Öffentlichkeit präsenter sind. Und das schadet nicht. Je öfter man darüber spricht, Zweifel in den Raum stellt oder auch konträr diskutiert, desto besser – nur so ist Veränderung möglich.

 

Wie ist die Lage für Juristinnen in Unternehmen Ihrer Einschätzung nach? Gibt es eine Gleichstellung von Frauen und Männern in den Rechtsabteilungen bzw. was wäre hierfür nötig?

Ich habe jetzt keine Studie oder konkrete Zahlen vorliegen, aber was man bestimmt sagen kann, ist, dass wir noch keine Balance haben. Ich bin jedoch sicher, dass insbesondere Männer heute ganz anders mit dem Thema umgehen als noch vor 20 Jahren. Also wenn ich an die Zeit denke, als ich angefangen habe zu arbeiten, da war es üblich noch Witze über dieses Thema zu machen. Das ist heute nicht mehr so. Heute haben alle verstanden, dass es wichtig ist, Frauen in Rechtsabteilungen zu haben und insbesondere auch an der Spitze von Rechtsabteilungen zu haben. Ich glaube, dass sich das Mindset geändert hat. Früher habe ich das noch so erlebt, dass sich Unternehmen „Diversity“ oft auf die Fahne geschrieben haben und eine schöne Hochglanzbroschüre gedruckt wurde, aber tatsächlich lief das im Unternehmen dann ganz anders ab. Das kann sich heute keiner mehr leisten.

Bei einer Diskussion unserer Fachgruppe zum Thema kultureller Hintergrund und dessen Bedeutung für die eigene Karriere waren auch viele Männer dabei, die sich ganz deutlich für die Unterstützung ihrer arbeitenden Frauen ausgesprochen haben und betonten, wie wichtig es ist, sich gegenseitig den Rücken frei zu halten. Und ich glaube, nur das führt wirklich zu einer Veränderung. Ich finde, es gibt immer mehr Männer, die so denken. Und diese tragen dann ihre Einstellung und das entsprechende Mindset der Gleichberechtigung auch ins berufliche Umfeld, sind zum Beispiel Vorgesetzte von Frauen und unterstützen diese entsprechend.

 

Sie haben eine führende Position in einem internationalen Unternehmen und mehrere Kinder. Sie haben die Vereinbarkeit von Familie und Karriere gemeistert. Welche Tipps haben Sie für Frauen vor dem Hintergrund ihres persönlichen Werdegangs?

Das ist ja immer sehr individuell, was man erlebt hat und welche Möglichkeiten sich einem boten. Ich meine, dass es für eine Karriere eigentlich keinen richtigen Plan geben kann, sondern es immer eine Mischung aus der richtigen Zeit, dem richtigen Ort und dem richtigen Umfeld braucht. Natürlich ist es wichtig seine beruflichen Ziele zu definieren. Man muss wissen, was man grundsätzlich erreichen möchte. Und man muss unbedingt ehrlich zu sich selber sein. Das heißt vielleicht auch einmal ‚Nein‘ zum nächsten Karriereschritt sagen, wenn andere Dinge im Leben, wie der Partner oder das Kind zu dem Zeitpunkt Vorrang haben. Dann sind in der Konsequenz natürlich auch die Unternehmen gefordert. Diese müssen den Frauen (und auch den Männern) die Chance geben, wieder ins Berufsleben einzusteigen oder auch einen Sidestep zu machen. Frauen müssen aber auch bereit sein, einen nächsten Schritt zu wagen. Bereit sein, sich auf etwas einzulassen. Es wird Frauen zumindest nachgesagt, dass sie vielleicht manchmal etwas zögerlich sind und sich zu häufig fragen: „Passt das jetzt?“, „Schaffe ich das?“… Einfach mal ausprobieren! Scheitern kann man immer noch, aber man muss es zumindest versucht haben!“.

Christiane Dahlbender

Christiane Dahlbender
Associate General Counsel Compliance EMEA & Global Sales, Mars Inc., Leiterin der BUJ-Fachgruppe All4Women

Bildnachweis: © shutterstock/pathdoc

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