Unbezahlter „Probearbeitstag“ ist unfallversichert

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Unbezahlter „Probearbeitstag“ ist unfallversichert

Autor: Bijan Peymani

Auch wer in einem Unternehmen unentgeltlich vorarbeitet, genießt als „Wie-Beschäftigter“ Unfallschutz. Der „Probetag“ liegt außerdem nicht nur im Eigeninteresse des Bewerbers, er hilft dem Arbeitgeber bei der Auswahl der Kandidaten. Dies hat das Bundessozialgericht (BSG) abschließend klargestellt und damit zwei vorinstanzliche Urteile bestätigt.

Das Vorstellungsgespräch ist für beide Seiten gut gelaufen, dieser Bewerber könnte in der Tat der Richtige für die ausgeschriebene Stelle sein. Deshalb vereinbart das Unternehmen mit ihm einen unbezahlten Probearbeitstag: Der mögliche neue Mitarbeiter soll sich jetzt in der Praxis beweisen. Doch wer haftet, wenn der Job-Bewerber an diesem Probetag zu Schaden kommt? Muss die gesetzliche Unfallversicherung auch hierfür einstehen?

Sturz von Lkw-Laderampe

Das BSG in Kassel hat diese Frage in einer aktuellen Entscheidung (Az.: B 2 U 1/18 R) bejaht und damit das Berufungsurteil des Landessozialgerichts (LSG) Sachsen-Anhalt sowie das erstinstanzliche Urteil des Sozialgerichts (SG) Halle bestätigt. In dem vorliegenden Fall klagte ein Lkw-Fahrer, der sich an seinem Probearbeitstag nach einem Sturz von der Laderampe des Fahrzeugs multiple Frakturen zugezogen hatte.

Versicherer verweigert Zahlung 

Doch die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik lehnte die Anerkennung dieses Unglücks als Arbeitsunfall ab, verweigerte folglich die Entschädigungszahlung. Schließlich sei der Bewerber an seinem Probearbeitstag noch nicht in das Unternehmen eingegliedert gewesen, ein Versicherungsschutz habe demzufolge nicht bestanden. Wer vorarbeite, tue das im Eigeninteresse, schließlich wolle er sich für die ausgeschriebene Stelle empfehlen.

Instanzen bejahen Arbeitsunfall

Bereits das LSG Sachsen-Anhalt hatte in seinem Revisionsurteil jedoch klargestellt, dass hier sehr wohl ein Arbeitsunfall vorliege. Trotz des Probetages sei der Lkw-Fahrer bei der Verrichtung als ein Beschäftigter nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII versichert gewesen. Das BSG teilt diese Sicht mit der Begründung, der damals 39-Jährige habe eine dem Unternehmen dienende, dessen Willen entsprechende Tätigkeit von wirtschaftlichem Wert erbracht. 

Status als „Wie-Beschäftigter“

Trotz fehlender Eingliederung in die Firma bewerteten die BSG-Richter diese Tätigkeit als einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis ähnlich. Demzufolge konnte der probehalber arbeitende Mann als „Wie-Beschäftigter“ und ergo als gesetzlich unfallversichert betrachtet werden. Eine Probetag diene im Übrigen nicht nur dem Bewerber; auch der Arbeitgeber könne so überprüfen, ob sein Kandidat der gestellten Aufgabe tatsächlich gewachsen ist.

Bildnachweise: © iStock/bernardbodo

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