Krankes Kind besser zu Hause betreuen

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Krankes Kind besser zu Hause betreuen

Mütter oder Väter, die ihre erkrankten Kinder in die Dienststelle mitbringen, riskieren schon aus versicherungsrechtlichen Gründen ihren Job. Die fristlose Kündigung rechtfertige eine derartige Pflichtverletzung aber nicht, urteilt das Arbeitsgericht Siegburg, eine Abmahnung reiche grundsätzlich aus. Dabei können Arbeitnehmer solchen Ärger leicht vermeiden.

Die Kita ist geschlossen oder das eigene Kind erkrankt – vor allem Alleinerziehende, aber auch Berufstätige generell stellt dies regelmäßig vor große Herausforderungen. Während es im ersten Fall in Absprache mit dem Chef und den Kollegen oft möglich ist, die Kleinen mit ins Büro oder in die Dienststelle zu nehmen, ist ein krankes Kind am Arbeitsplatz nicht nur verantwortungslos, sondern insbesondere aus versicherungsrechtlicher Sicht riskant. 

Altenpflegekraft bringt kranke Kinder mit zur Arbeit

Auch eine examinierte, noch in der Probezeit befindliche Altenpflegefachkraft wusste sich nicht anders zu helfen, als ihre drei erkrankten Kinder zeitweise mit zur Arbeit zu nehmen. Ein Arzt hatte zuvor deren Betreuungsbedürftigkeit festgestellt. Die Mutter behauptete, ihr Arbeitgeber habe sie dennoch gebeten, einen Teil ihrer Patienten weiter zu versorgen. Es sei geklärt gewesen, die Kinder mitzubringen. Dann musste sie sich selbst krankmelden.

Mutter erkrankt selbst, Arbeitgeber kündigt fristlos

Der Arbeitgeber kündigte ihr daraufhin fristlos. Er habe die Mitnahme der kranken Kinder nicht ausdrücklich genehmigt, die dreifache Mutter habe deshalb ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verletzt. Gegen die sofortige Beendigung des Anstellungsverhältnisses klagte die Arbeitnehmerin erfolgreich vor dem Arbeitsgericht Siegburg. Der Frau könne nur mit einer zweiwöchigen Frist ordentlich gekündigt werden, urteilten die Richter (Az.: 3 Ca 642/19).

Pflichtverletzung rechtfertigt fristlose Kündigung nicht

Das Arbeitsgericht rügte, das Verhalten der Pflegekraft sei aus versicherungsrechtlichen Gründen und aufgrund der bestehenden Ansteckungsgefahr für Patienten problematisch. Die damit verbundene Verletzung ihrer arbeitsvertraglichen Pflichten rechtfertige jedoch keine fristlose Kündigung. Grundsätzlich reiche in einem solchen Fall eine Abmahnung –bei Auflösung des Arbeitsvertrages sei die gesetzliche Kündigungsfrist einzuhalten.

Gesetzgeber ermöglicht in Krankheitsfällen Freistellung

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, dem Arbeitgeber wurde durch das Arbeitsgericht die Möglichkeit eingeräumt, Berufung einzulegen. Die dreifache Mutter ist ihren Job jedenfalls los. Dabei hätte sie das leicht vermeiden können: Gesetzlich Versicherte können sich nach § 45 Abs. 3 SGB V an maxmimal zehn (Alleinerziehende an 20) Tagen im Jahr freistellen lassen, wenn ihr Kind erkrankt. Es darf das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Bildnachweise: © iStock / vgajic

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