Konflikte bestmöglich beilegen

Unternehmensjurist

Konflikte bestmöglich beilegen

Im Streitfall sind Klageweg, Mediation und Schlichtung Mittel der Wahl. Tatsächlich stehen den Parteien mehr Optionen zur Verfügung. Nur die wenigsten Unternehmensjuristen sind jedoch mit allen Verfahren zur Konfliktbeilegung vertraut. Ein kostenlos nutzbares Tool will das ändern – ursprünglich die Eigenentwicklung eines Hersteller von Schienenfahrzeugen.

„Mini Trial“? „Dispute Resolution Board“? „MedArb“? Begriffe, die bisher wohl nicht einmal allen Experten etwas sagen, die regelmäßig mit Streitbeilegung zwischen Konfliktparteien befasst sind. Schon die bekanntere Mediation als außergerichtliches Verfahren wird noch immer seltener gewählt als der klassische Weg der Klage. Ein neues Instrument namens „Dispute Resolution Comparison Tool“ („DiReCT“) soll mehr Transparenz schaffen.

 

Neues Instrument soll alternative Verfahren aufzeigen

„DiReCT“ ist so etwas wie der „Wahl-O-Mat“ für Konfliktlösungsverfahren im B2B-Bereich. Doch nicht politische Standpunkte oder Parteiprogramme stehen im Mittelpunkt, sondern Verfahren, um Streitigkeiten zwischen Unternehmen beizulegen. Einst nur für den internen Gebrauch bei Bombardier Transportation bestimmt, wurde das Tool vom Round Table Mediation und Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft (RTMKM) weiterentwickelt.

 

Zu den Alternativen fehlen Kenntnisse und Erfahrungen

Im Ergebnis steht „DiReCT“ allen interessierten Unternehmen kostenlos zur Verfügung. Es dient dazu, idealerweise bereits bei Vertragsabschluss über Konfliktbeilegungsklauseln ein Verfahren für potenzielle Streitfälle zu definieren. Gerade das gestaltet sich in der Praxis eher schwierig, weil viele Unternehmen gar nicht alle Alternativen und deren Unterschiede ausreichend kennen und keine praktischen Erfahrungen damit gemacht haben.

 

Eigene Strategie auch ohne konkreten Anlass überprüfen

In der Konsequenz halten sich Konfliktparteien oft an das, was sie bereits als „bewährtes“ Verfahren kennen: Verhandlung, Gerichts- und Schiedsgerichtsverfahren. Mit dem neuen Tool können Syndizi die verschiedenen Möglichkeiten und Methoden spielerisch testen – und damit auch ohne konkreten Anlass ihren bisher favorisierten Ansatz hinterfragen. Am Ende kann „DiReCT“ allen Seiten helfen, sich im Streitfall anzunähern, glauben Experten.

 

„DiReCT“ zeigt bestmögliches Beilegungsverfahren auf

Die Bedienung des Werkzeugs ist einfach: Nach Eingabe des Ausgangskonflikts sind 15 Fragen zu beantworten. Die Antworten kann der Benutzer individuell gewichten. Daraus errechnet „DiReCT“, welches Konfliktbeilegungsverfahren dem jeweiligen Fall am besten entspricht, ergänzt um eine Rangliste der Verfahren mit Vor- und Nachteilen. Das Tool kann sich aber auch auf einzelne Eingaben beziehen und dazu Hinweise liefern.

 

Komplexe Entwicklung band erhebliche Ressourcen

Ein Beispiel: Gibt der Nutzer an, dass im Rahmen der Streitbeilegung ein neutraler Dritter über Spezialkenntnisse in der Sache verfügen soll, liefert die Software einen Hinweis. Das Programm fordert den Nutzer dann auf, die nötigen Kenntnisse genau zu definieren und sich mit der Gegenseite auf Kriterien für die Auswahl des Dritten zu eignen. So einfach die Handhabung des Tools, so komplex war es, dieses praxistauglich zu entwickeln.

 

Neutralität bei Entwicklung des Tools im Vordergrund

Schließlich sollte „DiReCT“ eine Vielzahl an Verfahren und Möglichkeiten berücksichtigen. So mussten Annahmen im Vorfeld geklärt werden, die für die einzelnen Verfahren gelten sollten – etwa, dass bei einem Gerichtsverfahren der Instanzenweg nicht ausgeschöpft wird oder ein Schiedsgericht mit drei Schiedsrichtern besetzt ist. Vor allem wurde seitens seiner Schöpfer strikt darauf geachtet, dass das Tool nicht einzelne Verfahren begünstigt.

DiReCT steht allen Interessierten auf der Website des RTMKM zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung unter: https://www.rtmkm.de/home/direct-2/

 

Mehr zum Thema sowie erste praktische Erfahrungen von Syndizi im Umgang mit „DiReCT“ lesen Sie in der Ausgabe 6/19 des unternehmensjurist ab Seite 72.

Bildnachweise: © iStock / 

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