Befristete Arbeitsverträge umstritten – aber unverzichtbar?

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Befristete Arbeitsverträge umstritten – aber unverzichtbar?

Bundesweit verharren befristete Arbeitsverhältnisse bei Neueinstellungen auf einem hohen Niveau. Einer aktuellen Studie zufolge nutzen Betriebe diese auch, um Auslastungsspitzen abzudecken. Während ältere Arbeitnehmer die Befristungen eher kritisch sehen, helfen sie Berufsanfängern ebenso wie -unterbrechern, in den Arbeitsmarkt (zurück) zu finden.

Wer einen Job sucht, hofft auf eine dauerhafte Anstellung. In der Praxis jedoch erfüllt sich dieser Wunsch nicht für alle: Die Zahl der Befristungen bei neuen Arbeitsverträgen verharrt unverändert auf hohem Niveau. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Demnach waren 2018 knapp 40 Prozent der 3,87 Millionen sozialversicherungspflichtigen Neueinstellungen befristet. 

Wahrscheinlichkeit steigt mit Unternehmensgröße

Die Wahrscheinlichkeit eines befristeten Verhältnisses erhöht sich laut IAB mit der Größe des Unternehmens. So stellen Betriebe mit mehr als 75 Beschäftigten mit einer um neun Prozentpunkte höheren Probabilität befristet ein. Bei kurzfristigem Personalbedarf – dies betrifft allerdings nur jede zehnte Neueinstellung – ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Stelle befristet besetzt wird, zudem doppelt so hoch wie bei einer längerfristigen Planung.

Befristungen gleichsam als „verlängerte Probezeit“

Kritisch merkt die IAB-Studie deshalb an, dass befristete Neueinstellungen nicht nur zur Deckung eines vorübergehenden Arbeitskräftebedarfs genutzt werden, sondern auch als „verlängerte Probezeit“. Bei Suche und Auswahl geeigneter Kandidaten betreibe das Gros der Unternehmen einen deutlich geringeren Aufwand. Laut IAB werde weniger Zeit und vor allem Geld etwa für Stellenanzeigen oder Personalvermittler bei der Besetzung investiert.

Ältere Arbeitnehmer arbeiten oft unfreiwillig auf Zeit

Auch bei den Betroffenen sind Zeitverträge umstritten. Viele haben das Gefühl, mangels Alternativen „unfreiwillig“ in eine Befristung zu geraten. Dies gilt insbesondere für ältere Arbeitnehmer, die sich eher Beschäftigungssicherheit wünschen. Dagegen sehen jüngere Menschen und solche, die eine Auszeit nehmen (mussten), in befristeten Jobverträgen die Chance, als Berufseinsteiger oder -unterbrecher (wieder) in den Arbeitsmarkt zu finden.

Jüngere Arbeitnehmer sehen für sich eher Chancen

Diese Einschätzung bestätigen aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) in Wiesbaden. Demnach lag der Anteil der 45- bis 54-Jährigen, die nach eigenen Angaben ungewollt in Zeitverträgen arbeiten, im vergangenen Jahr bei 45,2 Prozent. Im Vergleich dazu hatte nur jeder Vierte der 25- bis 34-Jährigen diesen Eindruck. Insgesamt jobbten 2018 laut Destatis 34,1 Prozent der Beschäftigten mangels Alternative auf Zeit. 

Zahl befristet Beschäftigter 2018 wieder gewachsen

Legt man alle befristeten Beschäftigungsverhältnisse von Arbeitnehmern ab 25 Jahren zu Grunde, stieg der Anteil an allen Erwerbsformen in Deutschland im vergangenen Jahr laut Destatis auf acht Prozent. Nachdem die Quote 2016 bei 7,2 Prozent lag, war sie 2017 auf 6,9 Prozent gesunken. Mehr als jeder Zweite der gut 2,7 Millionen befristet Beschäftigten des vergangenen Jahres besaß einen Vertrag mit einer Laufzeit von unter einem Jahr.

Bildnachweise: © iStock / vgajic

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